Die Romantik ist eine Reaktion auf den Rationalismus der Aufklärung und die Umwälzungen durch die Französische Revolution.
Die Romantik wirft der Aufklärung eine Überbetonung der Vernunft und der Klassik eine Vorherrschaft formaler Strenge und Ordnung vor und knüpft selbst an individualistische Strömungen des Pietismus und des Sturm und Drang an.
Die geistigen Eliten fühlen sich frei von Konventionen, pflegen den Kult der Freundschaft und Liebe, diskutieren alternative Lebensformen zur bürgerlichen Familie (z. B. Caroline Schelling oder Sophie Mereau).
Literarische Salons – vor allem von Frauen wie Rahel Varnhagen von Ense gepflegt – fördern die Geselligkeit zur Ausbildung von Humanität und ästhetischer Bildung. Die Rolle der Frau als Vermittlerin und Produzentin von Literatur gewinnt an Bedeutung.
Es werden poetische Wahrnehmungen der Welt propagiert, die dem Gefühl zugänglich sind und das begriffliche Denken der Vernunft ablehnen.
Das Emotionale, Mystische, Fantastische, Paradoxe, das rational nicht Fassbare, das Polemische und Satirische sowie später das Nationale werden betont. Es herrscht ein freier Geist mit radikalem Sinn für individuell Eigenartiges und Einzigartiges.
Dabei werden die Romantisierung der Wirklichkeit, die Weltverzauberung, das Erzeugen von Stimmungen, das Spiel mit dem Wort, die Erfahrung des Grenzenlosen als spannungsreich erlebt.
Die Spätromantik behandelt durch Autoren wie E. T. A. Hoffmann auch die Nachtseiten der menschlichen Psyche (Schauerromantik). Das Thema ist vor allem der Einbruch des Fantastischen, aber auch des Bösen und Erschreckenden in eine scheinbar normale Welt.
Die Romantik hat trotz ihres betonten Antirationalismus in der Kunst einen großen Anteil an der Entwicklung der Wissenschaften: Die Sprachwissenschaften, die Romanistik und Germanistik entstehen, die Rechtsphilosophie und Staatslehre bekommen neue Impulse, ebenso die Medizin und die Naturwissenschaften.
Caroline Schelling (geb. Michaelis, verw. Böhmer, gesch. Schlegel, 1763–1809) war eine deutsche Übersetzerin, Literaturkritikerin und Schriftstellerin der Romantik. Aufgrund ihrer Sympathien für die Französische Revolution und ihres als zu freizügig empfundenen Lebensstils wurde sie aus der höheren Gesellschaft ausgeschlossen und erfuhr politische Verfolgung. Ihr literarisches Erbe macht v. a. ein umfangreicher Briefwechsel aus; daneben war sie maßgeblich an den Shakespeare-Übersetzungen beteiligt, die ohne Nennung ihres Namens durch ihren Ehemann August Wilhelm Schlegel besorgt wurden.
Sophie Mereau (geb. Schubart, 1770–1806) war eine deutsche Übersetzerin und Schriftstellerin aus dem Umfeld der Romantik. Der Erfolg ihrer Schriften ermöglichte ihr finanzielle Unabhängigkeit und ein Leben allein von den Einnahmen der Schriftstellerei. Das Thema der Freiheit und Selbstbestimmung zieht sich durch ihr gesamtes Werk: Im Briefroman Amanda und Eduard (1803) etwa erzählt sie von einer außerehelichen Beziehung, die trotz und entgegen den herrschenden Moralvorstellungen am Ende über das herkömmliche Ehemodell siegt. Liebe ist für Mereau ein Mittel zur Selbstverwirklichung der Frau und frei von gesellschaftlichen Zwängen.
Rahel Varnhagen von Ense (1771–1833) war eine deutsch-jüdische Schriftstellerin. Sie unterhielt in Berlin einen literarischen Salon, der ein Treffpunkt für Philosophen und Schriftsteller/-innen v. a. aus dem Umkreis der Romantik wurde. Varnhagen von Ense vertrat aufklärerische und emanzipatorische Ideen, die u. a. in ihrem umfangreichen Briefwechsel deutlich werden.
Ursprünglich mündlich erzählte kurze Geschichte. Sie handelt von Orten, Personen, Ereignissen oder Naturerscheinungen, hat also einen realen Kern, der mit fantastischen oder übernatürlichen Figuren und Vorgängen ausgestaltet wird. Beispiel: Der Rattenfänger von Hameln.
Mündlich überlieferte Erzählung, zeichnet sich durch Unbestimmtheit von Ort und Zeit, fantastische oder magische Elemente und typenhafte Figuren aus. Man unterscheidet zwischen mündlich überlieferten Volksmärchen und auf namentlich bekannte Verfasser/-innen zurückgehenden Kunstmärchen. Beispiele: Brüder Grimm: Hänsel und Gretel (Volksmärchen); Wilhelm Hauff: Der Zwerg Nase (Kunstmärchen).
Ernst Theodor Amadeus (eigtl. Wilhelm) Hoffmann (1776–1822) war ein deutscher Komponist und Schriftsteller der Romantik. Durch Texte wie Der Sandmann aus der Sammlung Nachtstücke (1816/17) oder den Roman Die Elixiere des Teufels (1815/16) ist Hoffmann heute als Vertreter der sog. Schauer- oder schwarzen Romantik bekannt. In seinen Erzählungen verschwimmt regelmäßig die Grenze zwischen Realität und dem Fantastischen, als Figuren treten psychisch labile Menschen und Doppelgänger auf, an denen diese Unschärfe manifest wird. Hoffmanns Prosatexte gelten als wegweisend für die heutige Kriminal- und Horrorliteratur.
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Deutsch kompetent eWissen Oberstufe
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Verleger:
Dr. h. c. Michael Klett
Geschäftsführung:
Maximilian Schulyok (Vorsitz), Dr. Michael Schlienz, Dr. Sibylle Tochtermann
Autor(en):
Unter Verwendung von Materialien von: Bernhard Bogner, Friederike Braun, Anika Davidson, Joachim Dreessen, Werner Frizen, Christian Frobenius, Thomas Gutwald, Dominik Koch, Almuth Meissner, Maximilian Nutz, Conrad Pietschmann, Sandra Rollmann, Stefan Schäfer, Elisabeth Schuchart, Carolin Sollfrank, Annika Wiedemann, Wolfgang Wittor
Entstanden in Zusammenarbeit mit dem Projektteam des Verlages.
Startscreen:
Sandra Then, Bonn
Interface Design:
know idea GmbH, Freiburg
Software-Entwicklung:
adesso SE, Dortmund
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