Der Romantisierung der Welt kommt die Lyrik besonders entgegen. Sie wird als (Wort-)Musik verstanden, verzaubernde Wohllaute vermitteln Sinneseindrücke von Sehnsucht, Traum und Liebe. Als herausragende Beispiele gelten Brentanos Abendständchen und Wiegenlied, aber auch die Seelenlieder von Eichendorff, z. B. Mondnacht.
Sie besticht durch ihr kunstvolles Spiel mit sprachlichen Bildern, Klängen und Formen, die in der Wahrnehmung zur Verschmelzung mehrerer Sinneseindrücke führen.
Hochaufgeladene romantische Verschlüsselungen (Chiffren) provozieren reiche Assoziationen, aber auch schlichte, volkstümliche Elemente werden verarbeitet.
Bedeutsam ist die Volksliedsammlung Des Knaben Wunderhorn, die 1806–1808 von den Freunden Achim von Arnim und Clemens Brentano herausgegeben wird.
Die spielerische Kunstfertigkeit der Lyrik findet ihre Fortsetzung in der Epik. Im Sinne der Universalpoesie werden Gedichte und dramatische Elemente in die Erzählhandlung eingearbeitet.
Märchen, Erzählungen, Novellen, Romane, Glossen, Essays, Satiren, Humoresken, Aphorismen dokumentieren die erzählerische Vielfalt.
Vieldeutigkeit, symbolische Dichte sowie eine manchmal verwirrende Verrätselung der Handlung und Fragmentarisches verweisen auf fantastische oder innere Welten (z. B. Novalis: Heinrich von Ofterdingen; Eichendorff: Das Marmorbild; E. T A. Hoffmann: Die Elixiere des Teufels).
Zahlreiche Theaterstücke entstehen, die jedoch als unspielbar gelten und kaum aufgeführt werden. Lieder und Erzählungen werden in die dramatische Handlung eingebracht, was den Geschmack der Zeit wohl überfordert.
Verehrt wird William Shakespeare (1564–1616) für seine Ursprünglichkeit. Berühmt und noch heute geschätzt sind die Übersetzungen durch Ludwig Tieck und August Wilhelm Schlegel.
Die heute noch bedeutsamen Bühnenwerke dieser Zeit von Heinrich von Kleist (u. a. Der zerbrochene Krug, 1806) sind nicht in den literaturgeschichtlichen Zusammenhängen von Romantik oder Klassik erfassbar.
Clemens Brentano (1778–1842) war ein deutscher Schriftsteller der Romantik. Gemeinsam mit Achim von Arnim gab er die Volksliedsammlung Des Knaben Wunderhorn (1805–1808) heraus. Heute ist vor allem seine frühe Dichtung (z. B. Abendständchen oder Der Spinnerin Nachtlied, 1802) bekannt. Offiziell schwor Brentano 1817 der Dichtung ab, betätigte sich jedoch weiterhin schriftstellerisch und gab die um eigene Passagen erweiterten Visionen der Nonne Anna Katharina Emmerick heraus.
Joseph von Eichendorff (1788–1857) war ein deutscher Dichter der Romantik. In seinem Roman Aus dem Leben eines Taugenichts (1826) stellt er auf oft humorvolle Weise der bürgerlichen Gesellschaft den romantischen, künstlerischen Menschen gegenüber. Eichendorffs Lyrik zeichnet sich durch anschauliche Bildlichkeit und Synästhesie aus (z. B. Frische Fahrt, 1815) und spiegelt häufig eine melancholische Sehnsucht nach Vergangenem oder Verlorenem (z. B. Lockung, 1834).
Ursprünglich Geheimzeichen, das entschlüsselt werden muss; in der romantischen und modernen Dichtung verkürztes, verrätseltes sprachliches Zeichen, das nicht in konkrete Aussagen auflösbar ist.
Achim von Arnim (1781–1831) war ein deutscher Schriftsteller der Romantik. Sein eigenes literarisches Werk – Epik, Dramatik und Lyrik – fand zeit seines Lebens wenig Beachtung unter Zeitgenossen. Die gemeinsam mit Clemens Brentano herausgegebene Volksliedsammlung Des Knaben Wunderhorn (1805–1808) hingegen begründet Arnims Einfluss auf die Literatur des 19. Jahrhunderts.
Mündlich überlieferte Erzählung, zeichnet sich durch Unbestimmtheit von Ort und Zeit, fantastische oder magische Elemente und typenhafte Figuren aus. Man unterscheidet zwischen mündlich überlieferten Volksmärchen und auf namentlich bekannte Verfasser/-innen zurückgehenden Kunstmärchen. Beispiele: Brüder Grimm: Hänsel und Gretel (Volksmärchen); Wilhelm Hauff: Der Zwerg Nase (Kunstmärchen).
Längerer erzählender Text, der nicht die Breite des Romans und nicht die dramatische Komposition der Handlung wie die Novelle besitzt. Beispiel: Franz Kafka: Ein Landarzt.
Längere Erzählung mit geschlossenem Aufbau. Ähnlich wie im Drama entwickelt sich ein zentraler Konflikt in der Konfrontation von Ungewöhnlichem mit dem Herkömmlichen. In der Regel nimmt ein Schicksal auf einem Höhe- und Wendepunkt einen jähen Umschlag. Die Handlung entwickelt sich zumeist linear, auf eine episch breite Erzählweise wird verzichtet. Beispiel: Stefan Zweig: Schachnovelle.
Form einer schriftlichen Stellungnahme, in der meist ein wissenschaftliches, kulturelles oder gesellschaftliches Phänomen aus subjektiver Sicht (d. h., der Autor will das Thema überhaupt nicht umfassend behandeln) argumentativ beleuchtet wird.
Literarische Form, in der Personen, Ereignisse oder Zustände verspottet werden. Humor wird durch Überzeichnung, Übertreibung oder Untertreibung erzeugt. Ziel ist eine (verdeckte) Kritik an den herrschenden Verhältnissen, an der Gesellschaft oder an mächtigen Personen(gruppen). Beispiele: H. J. C. von Grimmelshausen: Simplicissimus Teutsch; Ludwig Tieck: Der gestiefelte Kater; Christian Morgenstern: Die Behörde.
Humoristische, satirische Erzählung.
Meist nur einen oder wenige Sätze langer, zugespitzter Gedanke. Enthält eine Lebensweisheit, eine Erkenntnis oder Ähnliches. Beispiel: Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut. (Georg Christoph Lichtenberg)
Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis (1772–1801), war ein deutscher Philosoph und Dichter der Romantik. Sein theoretisches und literarisches Werk war wegweisend für die Frühromantik; seine Hymnen an die Nacht (1800) etwa werden heute als beispielhaft für romantische Dichtung überhaupt angesehen. Im posthum erschienenen Romanfragment Heinrich von Ofterdingen (1802) entwirft Novalis ein Leben, das unteilbar mit Poesie verbunden ist. Aus diesem Werk stammt auch das romantische Symbol der blauen Blume.
Ernst Theodor Amadeus (eigtl. Wilhelm) Hoffmann (1776–1822) war ein deutscher Komponist und Schriftsteller der Romantik. Durch Texte wie Der Sandmann aus der Sammlung Nachtstücke (1816/17) oder den Roman Die Elixiere des Teufels (1815/16) ist Hoffmann heute als Vertreter der sog. Schauer- oder schwarzen Romantik bekannt. In seinen Erzählungen verschwimmt regelmäßig die Grenze zwischen Realität und dem Fantastischen, als Figuren treten psychisch labile Menschen und Doppelgänger auf, an denen diese Unschärfe manifest wird. Hoffmanns Prosatexte gelten als wegweisend für die heutige Kriminal- und Horrorliteratur.
Einfaches singbares Gedicht; in der Regel gereimt mit strophischer Gliederung. Beispiel: Johann Wolfgang Goethe: Maifest.
Längerer erzählender Text, der nicht die Breite des Romans und nicht die dramatische Komposition der Handlung wie die Novelle besitzt. Beispiel: Franz Kafka: Ein Landarzt.
Ludwig Tieck (1773–1853) war ein deutscher Übersetzer und Schriftsteller der Romantik und eine zentrale Figur der Jenaer Frühromantik. Von ihm stammt die Komödie Der gestiefelte Kater (1797), ein satirisches, experimentelles Stück, das damals wie heute sein Publikum herausfordert. Tiecks Roman Franz Sternbalds Wanderungen (1798) ist ein Bekenntnis zur Kunst des Mittelalters und der Renaissance. Den größten Teil in Tiecks Werk bilden die Novellen, von denen er schon früh (z. B. in der Sammlung Phantasus, 1812–1816), vor allem aber in den 1820ern mehrere Bände veröffentlicht.
August Wilhelm Schlegel (1767–1845) war ein deutscher Literaturkritiker, Übersetzer und Schriftsteller der Romantik. Zusammen mit seinem Bruder Friedrich gab er zwischen 1798 und 1800 die Zeitschrift Athenäum heraus, in der sie die theoretischen Grundlagen der (Früh-)Romantik entwickelten. Sein schriftstellerisches Werk umfasst Übersetzungen, Vorlesungen und sprachwissenschaftliche Studien; seinen literarischen Arbeiten (z. B. Ion, 1803) blieb der Erfolg verwehrt.
Heinrich von Kleist (1777–1811) war ein deutscher Schriftsteller, der sich keiner Strömung oder Epoche eindeutig zuordnen lässt; vielmehr stellt sein Werk die Kunstvorstellungen und Menschenbilder von Klassik und Romantik gleichermaßen infrage. Sein Leben war von zahlreichen Misserfolgen, Krisen und Enttäuschungen geprägt, etwa einer zeitgenössischen Ablehnung seiner Schriften. Kleist verfasste vor allem Dramen (z. B. Der zerbrochne Krug, 1808), aber auch Erzählungen (z. B. Michael Kohlhaas, 1808), die sich vor allem durch eine komplexe, eigenwillige Sprache auszeichnen.
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