Impulse Physik Oberstufe eWissen
Demoversion-Bild
Marzell, Alfred, Schwäbisch Gmünd

Aus dem Mathematik-Unterricht sind der Begriff sowie die grundlegenden Rechenregeln der Ableitung bekannt. Betrachtet man eine ganzrationale Funktion 2. Grades erhält man mit Hilfe der Potenz- und Summenregel folgende Ableitungen:

fx=ax2+bx+cfx=2ax+b oder dfxdx=2ax+bf(x)=2a oder d2fxdx2=2a

In der Physik werden Vorgänge bzw. Funktionen häufig nicht in Abhängigkeit von x, sondern von der Zeit t untersucht. Ein Beispiel ist die Zeit-Ort-Funktion st einer beliebigen Bewegung: fxst

Auch in der Physik werden Funktionen abgeleitet, um z.B. die zeitliche Änderung einer Größe zu erfassen. Bei der Ableitung einer Funktion nach t wird anstelle der „Strich-Schreibweise“ eine „Punkt-Schreibweise“ genutzt:

fxstf'x=dfxdxs˙t=dstdtf''x=d2fxd2xs¨t=d2std2t

Beschleunigte Bewegung

Die Gleichung s(t) für die geradlinige beschleunigte Bewegung mit konstanter Beschleunigung a0, der Anfangsgeschwindigkeit v0 und einer zum Zeitpunkt t=0s zurückgelegten Strecke s0 lautet: s(t)=12a0t2+v0t+s0

Leitet man diese Funktion zweimal nach t ab, ergeben sich folgende Gleichungen:

s˙(t)=a0·t+v0
s¨(t)=a0

Ein Vergleich der bisher bekannten Gleichungen für die Geschwindigkeit v(t) und die Beschleunigung a(t) der Bewegung zeigt, dass s˙(t)=v(t) und s¨(t)=v˙(t)=a(t) ist. Dieser Zusammenhang ist allgemein gültig.

Harmonischer Oszillator

Bei einer harmonischen Schwingung verursacht die Rückstellkraft F=-D·s die Beschleunigung des Oszillators. Nach dem Grundgesetz der Mechanik folgt F=m·a=-D·s.

Auslenkung s, Geschwindigkeit v und Beschleunigung a sind Funktionen der Zeit. Für sie gilt:

v(t)=s˙(t) und a(t)=v˙(t)=s¨(t)

Damit erhält man die Differenzialgleichung:

m·s¨(t)=-D·s(t)m·s¨(t)+D·s(t)=0

Gesucht ist eine Funktion, die im Wesentlichen mit ihrer zweiten Ableitung übereinstimmt. Diese Eigenschaft haben die Sinus- bzw. Kosinusfunktionen. Der einfachste Lösungsansatz ist:

s(t)=sMsin(ω·t)

Damit erhält man für v(t) und a(t):

v(t)=s˙(t)=sM·ω·cos(ω·t) und a(t)=v˙(t)=s¨(t)=-sM·ω2·sin(ω·t)

Setzt man dies in die Differenzialgleichung ein, so ergibt sich:

(D-m·ω2)sM·sin(ω·t)=0

Damit die Gleichung für alle t erfüllt ist, muss die Differenz in der Klammer null sein. Dies liefert eine Aussage über die Periodendauer T einer harmonischen Schwingung:

(D=m·ω2)ω=DmT=2πmD

Sie kann experimentell überprüft werden.

Ableitungsregeln für Sinus und Cosinus:

f(x)=sin(x)
f'(x)=cos(x)
f''(x)=-sin(x)
f'''(x)=-cos(x)
f(4)(x)=sin(x)
Marzell, Alfred, Schwäbisch Gmünd

Ableitungsregel für verkettete Funktionen (Kettenregel):

f(x)=u(v(x))
f'(x)=v'(x)u'(v(x))

„innere Ableitung mal äußere Ableitung“

fx=5x24
f'x=10xinnere Ableitung45x23äußere Ableitung